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Hohlwege am Müsener Schlag

Am Müsener Schlag in Hilchenbach-Müsen sind Reste der alten Landwehr (Siegener Landhecke) und des Müsener bzw. Merklinghauser Schlages, alte Grenzsteine und imposanten Hohlwege zu finden. Mehrere hintereinanderliegende Wälle und Gräben sowie eine Schanze in Form eines unregelmäßigen Vierecks lassen sich neben den Hohlwegen, durch die der Verkehr abgefertigt wurde, im Gelände erkennen.

Alte Siegener Landhecke: Eine umfangreiche Landhecke, auch als Landwehr oder Landfestung bezeichnet, umschloss etwa seit Mitte des 15. Jhs. bis Mitte des 17. Jhs. das Siegerland in weiten Teilen zum Schutz gegen feindliche Überfälle. Die Landhecke bestand aus Wall, Graben und einer undurchdringlichen Hecke, dem sogenannten Gebück. Das Gebück wurde durch Anpflanzen von Bäumen (vorwiegend Hainbuchen) angelegt, deren Seitenzweige man nach unten bog („bückte“), miteinander verflocht, in die Erde eingrub und wieder neu ausschlagen ließ. Zusätzlich wurden Dornengewächse, wie z.B. Brombeersträucher, in die Zwischenräume gepflanzt. An den Durchgängen durch die Landwehr standen verschließbare Schlagbäume – daher auch die Bezeichnung „Schlag“, die nicht nur den Schlagbaum selbst meinte, sondern auch den durch ihn gesicherten Durchgang. Dort, wo wichtige Straßen die Landhecke querten, wurden die Schläge durch Schanzen und zusätzliche Wälle und Gräben verstärkt. (Heinz Fischbach)

Müsener Schlag: Die starken Grenzbefestigungen und der Schlag in Müsen sind Zeichen für intensive Handelsbeziehungen zwischen dem Siegerland und dem Märkischen, die neben Holz und Holzkohlen auch Lieferungen von Eisen- und Buntmetallerzen aus dem Raum Silberg und Varste umfassten. Während das Siegerland ab dem 17. Jh. als Lieferant für Halbfertigprodukte diente (Roheisen und Rohstahl), war man im Märkischen auf eben diese Produkte z. B. für die Drahtherstellung angewiesen. Besonders der hochwertige Stahl des Müsener Stahlbergs war sehr gefragt. Auch aus dem Freien Grund und dem Amt Freusburg wurden Eisen und Stahl, insbesondere aber Roheisen für die Drahtherstellung, über alte Eisenhandelswege ins Westfälische geliefert.

In früherer Zeit könnten aber auch Lebensmittellieferungen, Wein und sonstige Produkte die Grenze passiert haben. Immerhin profitierten die Herren von Hain 1313 nicht unwesentlich von den Einnahmen der Zollstelle bei Müsen, die ihnen von den nassauischen Grafen für ihre Burgmannendienste in Siegen verschrieben wurden.

Vorspanndienste: Tief haben sich die Hohlwege in den Boden eingegraben. Etwa 200 m unterhalb der Zollstelle lassen sich noch Reste der sogenannten Mittelhecke entdecken, einer weiteren Absicherung der nassauischen Grenze. Daneben liegen noch heute gut sichtbare, mächtige Hohlwege, die im Siegerland ihres Gleichen suchen. Über lange Zeit, vielleicht seit dem späten Mittelalter, hat man hier vorwiegend Eisen und Stahl transportiert. Die schweren einachsigen Karren hinterließen deutliche Spuren im Waldboden. Bis zu acht Pferde oder Ochsen wurden vorgespannt, um die 10 bis 12 Zentner schwere Ladung die steilen Wege hinaufzuziehen. Das nannte man “Vorspann”. Dazu stellten Bauern der Umgebung gegen Entgeld ihre Tiere zur Verfügung (”Vorspanndienste”). Noch heute erinnert die Vorspanneiche an der Straße zwischen Hilchenbach und Brachthausen, unweit der Wigrow gelegen, an die mitunter gefahrvolle Tätigkeit der Fuhrleute.

Altes Fehmegericht: In der Nähe des Müsener Schlages weist noch heute die Flurbezeichnung „Freienstuhl“ auf das alte Femegericht hin. Der „Freistuhl an der breiten Eiche“, lag nur wenige hundert Meter nördlich der nassauischen Grenzbefestigungen auf westfälischem Boden. Dieses Gericht wurde von den nassauischen Grafen bei Rechtsstreitigkeiten, insbesondere mit dem im Siegerland ansässigen Adel, angerufen. Der Versuch, den Amtmann und Hofmeister Philipp von Bicken den Älteren vor das Gericht zu zitieren, scheiterte allerdings, da sich der Adelige durch Flucht in die benachbarte Landgrafschaft Hessen der Verfolgung entzogen hatte.

Geschichtsträchtigen Boden betritt man auch auf dem Breitenberg, östlich des Müsener Schlages. Hier trafen sich 1528 der Kölner Erzbischof und der nassauische Graf Wilhelm der Reiche um Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Territorien beizulegen.

Öffnungszeiten: Die alten Hohlwege und die Reste der alten Grenzbefestigungen können zu jeder Zeit besichtigt werden.

Anfahrt: über den Merklinghäuser Weg zum Wanderparkplatz Wigrow, 57271 Hilchenbach-Müsen.

Tipp: Zwei spannende Geschichten zu „Vorspanneiche und Dollenbruch“ und zum „Kölschen Heck“ gibt es als MP3 unter: www.kirchhundem.de/grenzgeschichten (Navigation: Themenübersicht)

Fotos: Reiner Potyka, Katrin Stein, Dr. Andreas Bingener

Bildbeschreibung: Deutsche Grundkarte, mit freundlicher Genehmigung von Geobasis NRW. Der blaue Kreis markiert den Bereich, der auf als Detailgrafik dargestellt ist (Skizze von Gustav Siebel 1963). Die tiefste Stelle des Hohlwegebündels ist mit einem roten Oval markiert. Auf der Karte findet man die Bezeichnung “Wickgrube” für das Tal unterhalb des Schlages bzw. der Hohlwege, offensichtlich die Namensgeberin der heutigen Waldlichtung “Wigrow“.

freier Eintritt
frei zugänglich / immer geöffnet

Karte

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