Jump to Content Jump to Navigation

Achtung!

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie ihren Browser um die Usability zu verbessern.

Barfuß über glühende Kohlen - das waren die "Feuerwelten 2019"

Bad Sassendorf erfindet sich neu...

Der Kohlelauf wird vorbereitet. - © Steffi Funke / Zauberhaftes Sauerland

Ganz gelassen über 500 Grad heiße Kohle zu gehen, ohne Schuhe versteht sich, das kann man sicherlich schaffen, wenn man sich jahrelang in Selbstbeherrschung und Meditation geübt hat. Es sind tatsächlich schon ganz erstaunliche Dinge passiert, bei denen Menschen über ihre eigenen Grenzen hinausgewachsen sind, allein durch mentale Stärke: Wenn du beispielsweise die Leistungen der Shaolin-Mönche betrachtest, kommst bestimmt auch du zu dem Ergebnis, sie müssten übermenschliche Fähigkeiten haben. Aber wie gesagt, das braucht jahrelange Übung… Diese Zeit nimmt man sich im Sauerland allerdings nicht, oder vielleicht braucht man sie auch nicht, jedenfalls bekamen die Teilnehmer des Feuerlaufs bei den „Feuerwelten 2019“ am vergangenen Wochenende in Bad Sassendorf gerade mal eine Vorbereitungszeit von einer Stunde, ehe sie vor versammelten Publikum über die glühende Kohle schritten.

Blick auf das Veranstaltungsgelände der Feuerwelten. - © Oliver Schmidt

Das ist aber nur einer der Gründe, warum ich nicht laut „Hier!“ gerufen habe, als bei der Eröffnung der Veranstaltung noch zwei Plätze im Publikum vergeben wurden. Mir erscheint das ganze Vorhaben mit Hinblick auf meine Tollpatschigkeit immer noch einigermaßen riskant… Aber nicht schlimm, allein für den ersten Lauf haben sie bereits sieben Kandidaten gefunden, die sich mehr zugetraut haben, und das nicht zu Unrecht! Nach nur sechzig Minuten Workshop unter Leitung von Rolf Iven gingen sie tatsächlich vollzählig und in aller Gelassenheit über die vorbereitete Kohle-Bahn, ein Teilnehmer vor lauter Begeisterung sogar ein zweites Mal. Und davon, dass es sich wirklich um glühende Kohle handelte, die von Rolf Iven immer wieder frisch nachgelegt wurde, konnte sich auch das Publikum selbst überzeugen.

Doch nicht nur die Großen glänzten mit ihrem Können, sondern auch die Kleinen: Die Kindertanzgruppe rund um Tanzlehrerin Sylvia Sauerland (was für ein zauberhafter Name) hatte einen Feuertanz in passenden Flammen-Kostümen einstudiert, den sie auf der großen Bühne in der Kulturscheune vorführte.

Ein Künstler des "Theater Feuervogel" beim Auftritt. - © Theater Feuervogel

Auch die nächste Bühnenshow stand ganz im Zeichen des namensgebenden Elements: Die „Gestalten“ vom „Theater Feuervogel“, die ich zuvor schon auf dem Hof aus der Nähe bewundern konnte, verzauberten das Publikum mit dem Bühnenprogramm „Im Bann des Feuers“, eine einzigartige Mischung aus Feuer, Licht, Schatten, Musik, Stelzentheater und Höhenakrobatik. Dass man das auch alles in einer Stunde lernen kann, kann mir nun aber wirklich niemand mehr erzählen…

Bei den vielen Programmpunkten, die dicht aufeinander folgten, war es gut, dass ein Moderator über Lautsprecher jeweils auf das nächste Highlight aufmerksam machte. Sonst hätte ich glatt verpasst, was man aus einem gläsernen Treppenhaus alles machen kann: In kunstvoller Kleinarbeit haben die Licht-Installations-Künstler von „TurboTape 3000“ Klebeband in Form einer Saline mit Salzkristallen auf den großen Glas-Salzkristall aufgebracht. Auf jeder der kleinen Flächen entstand dann wieder ein weiteres kleines Kunstwerk – die Geschichte von Bad Sassendorf gemalt mit Licht und Musik…

Bei meinem Rundgang konnte ich noch vieles anderes entdecken: die Vorführung des Fleischsommeliers Christian Wirth, das gemeinsame Rösten von Stockbrot und Äpfeln über Feuerkohlen, die Karikaturen des Kohlekünstlers Dimitri Furman und vieles mehr. Dann wollte ich aber auch noch einen kurzen Blick in die Dauerausstellung „Westfälische Salzwelten“ werfen:

Ein Blick in die Ausstellung der Westfälischen Salzwelten. - © Steffi Funke / Zauberhaftes Sauerland

Seit 2015 beherbergt das komplett umgebaute und sanierte ehemalige Wirtschaftsgebäude des früheren Hofes Haulle jede Menge Informationen und Anschauungsmaterial rund um das „weiße Gold“ aufrund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Und das kommt nicht von ungefähr: Schon früh hatten die Menschen das Sole-Vorkommen entlang des Hellwegs erkannt, bereits im 12. Jahrhundert wurde die Salzgewinnung in Sassendorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ab dem 19. und 20. Jahrhundert wurde die Sole vermehrt zu Bade- und Heizzwecken genutzt, 1906 erhielt Sassendorf das Prädikat „Bad“ und ist seitdem als Kurort bekannt. Die salzhaltige Luft der Saline oder die wohltuenden Thermalbäder haben sicherlich auch so manchem Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet Linderung bei der berüchtigten Staublunge verschafft. So richtig boomte der Ort, als eine ganze Welle von Touristen und Kur-Patienten in den 1970er Jahren den Weg hierher fanden. Damals wurde viel erneuert und gebaut… Dies ist nun über zwei Generationen her, was Bad Sassendorf zum Anlass nimmt, sich noch einmal zu erfinden. Und den Anfang macht eben das moderne Erlebnismuseum, was nicht nur über die Geschichte, sondern auch die Gegenwart und Zukunft von Salz – etwa in unserem Essen – zum Thema macht.

Viele Ausstellungsstücke zeigen die weltweite Förderung von Salz. - © Steffi Funke / Zauberhaftes Sauerland
Ein farbiges Bild zeigt Glaskristalle. - © Steffi Funke / Zauberhaftes Sauerland

Ein nicht nur optisches Highlight der Dauerausstellung ist die Weltkarte, auf der man die Salze (ja, Salz ist nicht gleich Salz…) der verschiedenen Länder bewundern kann. Salz kann man auf verschiedene Weise gewinnen, durch Trocknung von Meerwasser, durch die Förderung von Sole oder auch durch unterirdischen Abbau ähnlich wie Kohle. Die besondere Beziehung von „Kohle und Sole“ ist auch das Thema der derzeitigen Sonderausstellung in den „Westfälischen Salzwelten“. Ohne das „schwarze Gold“ aus dem Ruhrgebiet hätte man in Bad Sassendorf nicht das „weiße Gold“ durch Sieden der Sole gewinnen können. Doch nicht nur die Kohle kam aus dem Ruhrgebiet, sondern wie wir gesehen haben, auch die Menschen, um in Bad Sassendorf Erholung zu finden. Besonderen Wert legt das Erlebnismuseum auf Mitmachangebote auch für Kinder. Während der „Feuerwelten“ konnte z. B. an einer Zink-Kohle Batterie mitgearbeitet werden. Kohle diente nämlich nicht nur als Energieträger, sondern war auch wichtiges Element beim Energiespeichern. In dieser Funktion könnte sie aber auch bald von der Sole abgelöst werden, die als Energiespeicher für regenerative Energien dienen soll. Die Zeit der Sole ist also lange nicht vorbei…

Gut, die „Feuerwelten 2019“ sind vorbei und die nächsten werden erst wieder 2020 erwartet… Aber die „Westfälischen Salzwelten“ bleiben und machen Bad Sassendorf zum perfekten Ausflugsziel für alle, die mehr über die faszinierenden Eigenschaften von Salz und Kohle erfahren wollen oder einfach nur Erholung und Wellness suchen.
Steffi Funke

Westfälische Salzwelten
www.westfaelische-salzwelten.de

Kulturscheune auf Hof Haulle
www.tuk-badsassendorf.de

Hier gehts zum Blog "Zauberhaftes Sauerland"