Auf den Spuren der Pilger

Im Mittelalter kamen die Wallfahrer, die aus ganz Europa zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela pilgerten, auch durch das Sauerland. Ihre Spuren sind noch heute deutlich sichtbar

Spätestens seit Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ gesagt hat und Millionen von Lesern seinen Marsch über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien nachverfolgt haben, ist der weltberühmte Pilgerpfad auch in Deutschland in aller Munde. Dabei pilgern die Menschen auch aus unseren Breiten bereits seit Jahrhunderten zum Grab des Heiligen Jakobus im äußersten Westen Spaniens. Doch kein Jet brachte die Pilger einst nach Spanien oder Südfrankreich, damit sie „lediglich“ den letzten Teil des Pfades – den berühmten „Camino“ von den Pyrenäen bis nach Santiago – zu gehen brauchten.
Ihre Wanderung begann vor der Haustür. Und besonders Nord- und Osteuropäer passierten seit dem 10. Jahrhundert nach Christus auf ihrer Wallfahrt fleißig das Sauerland. Zu Fuß. Bereits 1986 befasste sich Annemarie Schmoranzer aus Bestwig mit den Spuren der Wallfahrer im Sauerland. In ihrem Buch „Wege der Jakobuspilger im kurkölnischen Sauerland“ nimmt sie besonders den Pilgerverkehr auf den vier großen mittelalterlichen Straßen, die durch das Sauerland führten, unter die Lupe. Dabei wird deutlich: noch heute sind ihre Spuren allgegenwärtig. Die wichtigste mittelalterliche Verkehrsachse war hier zu Lande die Heidenstraße von Leipzig nach Köln. Durch das Sauerland verlief sie beinahe schnurgerade von Osten nach Westen über Küstelberg, Winterberg Elspe, Attendorn und Meinerzhagen. Ein besonders spektakulärer Fund, der den regen Durchgangsverkehr der Pilger auf dieser Route belegt, wurde 1974
in Attendorn gemacht. Bei archäologischen Grabungen in der Pfarrkirche stieß man auf das Grab einer circa 1,90 m großen Person.
Doch woher wusste man, dass es sich um einen Jakobspilger handelte? Ganz einfach: auf der Brust des Skeletts lag eine Jakobusmuschel.
„Da man diese Muscheln damals nur in Santiago de Compostela erwerben konnte, deuten die Funde darauf hin, dass die Pilger, die sie trugen, bereits auf dem Heimweg waren“, schreibt Annemarie Schmoranzer. Gibt man heute im Internet in einem herkömmlichen Routenfinder Attendorn und Santiago de Compostela ein, wird im Durchschnitt eine Strecke von rund 2100 Kilometern angegeben.
Und der fast Zwei-Meter-Riese war bereits auf dem Rückweg.
Eine besondere Verehrung erfährt der Heilige Jakobus noch heute in Elspe. Hier kam im Mittelalter der Römerweg vorbei. Er führte von Marsberg über Olsberg,
Reiste und Olpe nach Bonn. In dem Ort, der in der Gegenwart eher für seine Karl-May-Festspiele berühmt ist, finden sich unter anderem die Sankt-Jakobus-Kirche, die Jakobus-Apotheke und eine eigene St.-Jakobus-Straße. Der örtliche Schützenverein trägt ebenfalls den Namen des Heiligen. Und dort in Elspe schrieb der Heimatdichter Peter Soemer (1832-1902) das „Elsper Jakobuslied“, dessen zwei letzten Strophen lauten:

Im hohen Dom, im goldnen Schrein
Ruht zu Santiago Dein Gebein.
Mit Muschelhut und Pilgerstab
Wallt alle Welt zu Deinem Grab.
O Schutzpatron, so hoch verehrt,
Ach halt uns Deiner Liebe wert.
Hilf uns in Leibs- und Seelennot,
Hilf uns im Leben und im Tod!

Auch über den Kriegerweg, der von Paderborn über Rüthen, Meschede, Bracht und Siegen nach Koblenz im Rheinland führt, zogen Pilger.
Genauso wie über den Hellweg, der Paderborn über Geseke, Soest und Dortmund (A/B 4) mit Duisburg verbindet. Überall in den Städten und Dörfern entlang der Wege, so arbeitete Schmoranzer heraus, lassen sich Spuren der Jakobus-Verehrung im Sauerland finden.

Buchtipps:
Töpner, Walter: Wege der Jakobspilger (Band 1) – Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland. Paulinus-Verlag, Trier 2005.

A. Schmoranzer: „Wege der Jakobuspilger im kurkölnischen Sauerland“ Manfred Zentgraf – Versandbuchhandel, In den Böden 38, 97332 Volkach/Main