Auf zwei Dinge ist der Sauerländer besonders stolz. Erstens: sein Bier. Gern verweist er darauf, dass die großen Brauereien „Krombacher“ (Krombach, "Veltins“ (Meschede-Grevenstein) und „Warsteiner“ (Warstein) im Sauerland stehen. Und zweitens: seine Traditionen. In der Schützenfest-Saison stehen ganze Städte Kopf. Für die „Schnadegänge“, bei denen die männliche Stadtbevölkerung die Grenzen (Schnade) ihrer Stadt abschreitet und prüft, ob die Grenzsteine noch an Ort und Stelle stehen, ziehen mancherorts Tausende in aller Frühe die Wanderschuhe an. Eine weitere im Sauerland verbreitete Institution ist die Kirmes. Bier und Tradition spielen hierbei eine bedeutende Rolle. Besonders traditionell wird die Kirmes gefeiert, wo die so genannte Tierschau einen festen Programmpunkt während der mehrtägigen Festivitäten darstellt.
Die nach Angaben ihres Veranstalters älteste und größte Kirmes im Sauerland findet alljährlich in Hüsten statt – 2008 vom 12. bis zum 16. September. Bereits vor rund 1000 Jahren soll jenes Kirchweihfest gefeiert worden sein, aus dem sie sich entwickelt hat. Heute strömen jährlich circa 300.000 Besucher zur Kirmes unter dem Hüstener Riesenrad.
Um ein kühles Sauerländer Blondes zu genießen, den Duft von gebrannten Mandeln zu schnuppern oder die zahlreichen Fahrgeschäfte auszuprobieren.
Ein nach wie vor großer Publikumsmagnet bei der immer von Freitag bis Dienstag dauernden Kirmes ist die große Tierschau am Montag. Herausgeputzte Milchkühe, stolze Fleischrinder, aber auch Pferde ziehen an der Jury vorbei. Ihre Besitzer hoffen auf Prämierung. Ausgezeichnet wird aber nicht unbedingt
das schönste Tier. Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund, weshalb die Preisrichter bei den Milchkühen besonders die Euter oder einen gebärfreudigen Knochenbau prüfen. Eine gute Bewertung hebt den Preis einer Kuh, wenn ihr Züchter sie anschließend verkaufen möchte. Zur Tierschau in Hüsten gehört auch der „Krammarkt“, auf dem sich genau das erstöbern lässt, was man sich unter „Kram“ so alles vorstellt.
Züchter aus der Region und darüber hinaus kutschieren ihre Tiere auch gerne zur „Wendschen Kärmetze“, der Kirmes in Wenden, die vom 16. bis zum 19. August 2008 stattfinden wird. Hier versuchen Rinder, Kühe & Co. dienstags eine besonders gute Figur zu machen. Berühmt ist der Wendener „Krammarkt“. Regelmäßig kommen rund 400 Händler in den Süden des Sauerlandes, um ihre Waren anzupreisen. Meister ihres Faches sind dabei die Marktschreier, die sich Jahr für Jahr als höchst unterhaltsame Verkäufer präsentieren. Wichtig: Am Montag ist Ruhetag. Dann erholen sich die Wendener von den Strapazen der ersten zwei Kirmestage.
Ohne diesen Ruhetag kommt der Reister Markt aus. Allerdings geht er auch nur über zwei Tage. 2008 wären das der 23. und 24. August. Hier pflegt man die traditionelle Kirmes mit Tierschau und Krammarkt ebenfalls. Im vergangenen Jahr bauten 150 Händler ihre Stände auf dem Markt auf und 20.000 Besucher kamen am Wochenende nach Reiste. Die Stars während der Tierschau waren die Jungzüchter zwischen vier und 18 Jahren.
Stolz führten sie ihre Kälbchen an den Preisrichtern vorbei. Das Publikum war sich währenddessen schnell einig, wer ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen sollte: am besten alle.
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