Der „Weltenbummler“ ist ein feiner Zeitgenosse. Seinen schlanken Körper ziert ein dunkles Antlitz, in goldenen Lettern verkündet er seinen Namen. Kein Mensch sieht ihm bei so viel Eleganz den langen Weg an, den er bereits zurückgelegt hat. Dabei hat ihn die Reise doch so geprägt. Der „Weltenbummler“
der Konrbrennerei J.J. Kemper in Olpe ist ein seltenes Beispiel dafür, dass die inneren Werte die äußeren noch übertreffen können. Schuld daran ist seine Begleitung.
Denn als Albert Arens, der Inhaber der 1793 gegründeten Destille, den Roggenkorn zum 200-jährigen Firmenjubiläum um die Welt schickte, goss er den edlen Brand in große Holzfässer, in denen zuvor Whiskey gelagert hatte. So blieb dem Korn eine Erdumrundung Zeit, sich mit den rauchigen Aromen anzufreunden. Das Ende der Reise brachte schließlich einen großartigen Tropfen hervor, bei dem man nicht nur seine exzellente Gesellschaft schmeckt, sondern der im Glas
auch ein leises Meeresrauschen erklingen lässt – wenn man ganz leise lauscht.
Für einen Liter seines Brandes benötigt Arens rund 13.000 Roggenkörner. Sie kommen allesamt aus der Soester Börde im Norden des Sauerlandes. Der „Weltenbummler“ ist sein Spitzenprodukt. Dazu kommen der „Feine Korn“, „Kemper´s Selektion“, eine Auswahl erlesener Obstbrände, sowie zahlreiche Liköre von Holunder über „Apfelperle“ bis „Wackelpeter“. Die Auszeichnungen, die der zertifizierte Spirituosenprüfer Arens für seine hochprozentigen Produkte bekommen hat, füllen mittlerweile eine dicke Mappe. An die Wände hängt er die Urkunden aber nicht: „Weil sie sonst voll wären.“
Gruppen ab 15 Personen können nach Anmeldung die Brennerei in Olpe besuchen und herausfinden, worin der Unterschied zwischen dem „Probierstübchen“ und der „Probierstube“ besteht. Der eine oder andere gute Tropfen gehört natürlich dazu.
Die Brenner von Krugmann Markenspirituosen beziehen den Rohstoff für ihre Spezialitäten ebenfalls aus der Soester Börde. Allerdings bevorzugen sie ein anderes Korn: „Wir sind Weizenfreunde“, sagt Patrick Fayner. Er führt den 1876 gegründeten Familienbetrieb in Meinerzhagen bereits in fünfter Generation.
Und hat die Krugmann-Produktpalette mächtig verjüngt: „Wir sind sehr frech mit unseren Themen.“ Die neueste Kreation des Hauses heißt „Bussi-Bussi“ – ein Himbeerlikör, der sich am Besten zu zweit genießen lässt. Manche andere „Frechheit“ wird sogar in 30 Länder verschickt. Für die entsprechende Rezeptur sorgt Destillateur Christian Tigges, der im Krugmann-Labor die richtige Mischung auch für die Liköre ausbaldowert.
Im edlen Segment ist die Brennerei im Sauerländer Westen ebenfalls bestens aufgestellt. Das Spitzenprodukt der Meinerzhagener heißt „Ambiente“. Fünf Jahre lagerte der Weizenkorn in alten Cognacfässern, bevor er in die dunklen schlanken Flaschen gefüllt wird. Ähnlich aufwendig verläuft die Produktion des Wacholder, für den Fayner und Tigges die Beeren extra aus der Toskana kommen lassen.
Besuchergruppen mit mehr als 15 Personen können die Produktionsanlagen in Meinerzhagen besichtigen. Die Brennerei selbst liegt in Rönsahl. Zu bestaunen ist der Weg des Korns: Von der Trocknung des Weizens unter dem Dach bis in die Gläser der Besucher, die am Ende der Führung nicht ohne die eine oder andere Kostprobe entlassen werden.
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