Sauerland-Magazin: Herr Polgar, erklären Sie einem Segel-Laien: Was ist ein Tornado?
Johannes Polgar: Ein Tornado fährt in der olympischen Katamaran-Klasse, also auf zwei Rümpfen, die im Falle meines Bootes aus sehr leichtem Karbon gefertigt wurden. Der Tornado ist das schnellste Seriensegelboot der Welt und fährt bis zu 60 Stundenkilometer schnell. Man sagt auch, Tornado-Regatten wären die „Formel 1 auf dem Wasser“.
Was fasziniert Sie an diesem Boot besonders?
Natürlich die Geschwindigkeit, besonders bei Wettkämpfen, wenn wir mit bis zu 70 Booten bei dieser Geschwindigkeit unterwegs sind. Eine große Herausforderung ist aber auch die technische Weiterentwicklung des Bootes mit der FES, dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin.
Wie lange sind Sie schon auf dem Wasser?
1995 wurde ich an den Olympiastützpunkt in Kiel berufen, dort begann meine Karriere als Leistungssportler. Das erste Mal gesegelt bin ich allerdings schon mit acht Jahren.
Wo war das?
Auf dem Biggesee. Ich habe damals einen Ferienkurs beim Yacht Club Lister gemacht. Der Biggesee ist optimal für den Einstieg ins Segeln, gerade für Jugendliche. Ich profitiere noch heute von meinem besonderen Gefühl für den Wind, das ich auf dem Biggesee bekommen habe.
Wie würden Sie die Windverhältnisse auf dem See bezeichnen?
Sehr, sehr speziell. Man muss mitunter sehr aufpassen, lernt aber auch schnelles Reagieren. Das Biggewasser habe ich noch heute im Blut, und was ich auf ihr gelernt habe, bestimmt noch heute viele meiner Entscheidungen beim Segeln.
Auf den Sauerländer Seen sind Motoren oder Hilfsmotoren verboten. Was haben Sie gemacht, wenn Sie mitten auf dem See eine Flaute erwischten?
Dann haben wir gepaddelt. Es war eine kleine körperliche Ertüchtigung, weil uns unsere Segellehrer immer wieder eingebläut haben, bis Sonnenuntergang im Hafen zu sein.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Boot?
Oh ja. Das war ein Optimist, das Boot mit dem in der Jugendbootklasse gesegelt wird. Ein älterer Herr, bei dem mein Vater es organisiert hat, hatte es selbst aus Holz gebaut. Es hieß „Scholle“ und liegt noch heute in meiner Garage.
Wo sind Sie Ihre ersten Regatten gesegelt?
Auch auf dem Biggesee. Ich glaube, es waren die Clubmeisterschaften des Yacht Club Lister. Das Ergebnis weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich meinen ersten Sieg bei einer Regatta ebenfalls auf dem Biggesee errungen habe. Das war 1986, auch in einem Optimisten.
Sie leben heute in der Nähe von Kiel. Wie häufig kommen Sie noch ins Sauerland?
Bei jeder Gelegenheit. Allerdings bin ich durch meinen Sport 300 Tage im Jahr auf der ganzen Welt unterwegs. Außerdem studiere ich noch, da wird es schwierig. Ich versuche jedoch, jedes Jahr am 1. Mai im Sauerland zu sein. Dann findet die Regatta um das „Blaue Band vom Biggesee“ statt, bei der ich immer gerne starte. Außerdem genieße ich immer wieder das Clubleben im Yacht Club Lister. (Veranstalter Blaues Band vom Biggesee: Wassersportverein Biggesee, www.wsvbolpe. de; Yachtlub Lister: www.ycl.de; Anm. der Redaktion)
Haben Sie hier ein Lieblingsrevier?
Im Sauerland ganz klar der Biggesee. Weltweit hat mir das Segeln vor Sydney am meisten Spass bereitet.
Würden Sie die Sauerländer Seen als ein Tornado-Revier bezeichnen?
Wir haben unseren Tornado auf dem Biggesee bisher zweimal ausgepackt. Das ging schon. Und im April 2008 findet auf dem Möhnesee sogar die erste Tornado-Regatta auf einer Talsperre überhaupt statt. (Termin: 12./13. April 2008, Veranstalter: Yachtclub Möhnesee, www.ycm.de; Anm. der Redaktion)
Welche Boote sind für die hiesigen Seen noch geeignet?
Auf jeden Fall Einrumpf-Boote oder Boote, die nicht ganz so schnell sind. Jollen eignen sich auch sehr gut.
2008 steht Olympia vor der Tür, welche Ziele haben Sie?
Wir haben alle Kriterien erfüllt, die wir erfüllen können. Jetzt heißt es abwarten, denn nur ein deutsches Tornado-Team fährt nach Peking. Die endgültige Nominierung findet erst im Mai 2008 statt. Ich bin aber sehr optimistisch, dass wir fahren werden. Außer ein anderes deutsches Team segelt bei den Weltmeisterschaften im März 2008 in Neuseeland so stark, dass es noch eine Ausscheidungsregatta erzwingen kann.
Angenommen, Sie werden nominiert, rechnen Sie sich Medaillenchancen aus?
Ja. Wir stehen in der Weltrangliste aktuell auf Platz 3 und vor China sind wir schon gesegelt. Das Revier liegt uns, also wollen wir keine Olympiatouristen sein, sondern um Medaillen kämpfen.










