Von Brilon über die Höhen links und rechts der Hoppecke
Wer einmal einer echten Waldfee begegnen möchte, der muss nach Brilon kommen und den Kammweg laufen. Früh muss man unterwegs sein, etwas Glück gehört natürlich auch dazu, und die nötige Fantasie. Hat man all dies, dann stehen die Chancen ganz gut. Und wenn sich doch keines der geisterhaften Wesen zeigen mag, dann bleibt immer noch der Besuch der zahlreichen Briloner Feste und Märkte. Da trifft man sie bestimmt, denn die Briloner wählen jedes Jahr ihre Waldfee. Eines der traditionsreichsten und bekanntesten Feste ist übrigens der Briloner Schnadegang, bei dem alle zwei Jahre rund 3.000 Teilnehmer einen Teil der alten Stadtgrenze abgehen.
Wahrlich, die Berge und Hügel südlich von Brilon regen die Fantasie an. Beim Gang über den schmalen Felsgrat der Ginsterköpfe, wo knorrige Bäume ächzend knarren, hohes Gras sich im Wind neigt, wilde Lupinen und Fingerhüte ein unwirklich-schönes Farbenspiel zeigen, da glaubt man auch gerne an Mystisches und Übernatürliches. Seinen Anfang hat der Briloner Kammweg, wie auch der Rothaarsteig, am Marktplatz in Brilon. Schöne Fachwerkhäuser im westfälischen Stil, das Rathaus mit seiner barocken Fassade und der gotisch-wuchtige Turm der Propsteikirche St. Petrus und Andreas bilden den Rahmen für die ersten Kilometer stadtauswärts. Die Möhnequelle wird gemeinsam mit dem „Weg der Sinne“ passiert, eine erste Welle des sauerländischen Hügelmeeres gemeistert und zur Hiebammenhütte abgestiegen.
Spätestens hier kehrt Ruhe ein. Kurz darauf ist Borbergs Kirchhof erreicht. Auf der weiten Lichtung inmitten einsamer Buchenhochwälder bilden die frühmittelalterliche Ringwallanlage, die Ruinen der einstigen Kirche und die Kapelle am Rand des Felsplateaus ein seltsam anmutendes Ensemble. Vom kleinen Vorplatz der Borbergskapelle aus dem Jahr 1925 bietet sich ein schöner Blick hinab ins Tal der Ruhr und nach Olsberg. Angenehme Waldwege leiten zum Bildstock des hl. Antonius und zum Schusterknapp. Nun bieten sich zwei Möglichkeiten: Die Klettervariante über den Ginsterkopf, oder der bequeme Forstweg. Wenngleich der Weg über den Grat nie als schwierig zu bezeichnen ist und der Begriff „Klettervariante“ etwas übertrieben scheint, stellt er doch wegen der steilen Anstiege auch für geübte Wanderer eine konditionelle Herausforderung dar, belohnt dafür aber mit einer fantastischen Aussicht.
Kurz vor der Feuereiche treffen sich beide Varianten wieder. Sie dokumentiert in beeindruckenden Bildern aus unterschiedlichen Materialien die Menschheitsgeschichte im Zusammenspiel mit dem Energieträger Holz. Auf der Wasserscheide zwischen den beiden wichtigsten deutschen Wasserstraßen Rhein und Weser stehend dient sie als Mahnmal und Symbol für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur.
Ein Abstecher führt zu den nahen Bruchhauser Steinen, vier gewaltigen, bis zu 90 Meter hohen Porphyrfelsen. Der Kammweg führt dagegen im Schmalatal bergab in Richtung Brilon-Wald, biegt aber vorher nach rechts und zieht über dem Tal der Hoppecke wieder hinauf zum Hoppernkopf. Dort dreht er abermals vom wieder erreichten Hauptkamm ab und verliert beim endgültigen Abstieg ins tiefe Tal der Hoppecke mächtig an Höhe. Dies nur, um gleich darauf ebenso weit wieder auf den Hohen Eimberg zu steigen. Das geht ordentlich in die Beine. Dafür bleibt die Route nun erst einmal oben. In beständigen Hochlagen zwischen 700 und 800 Metern oberhalb des Meeresniveaus verläuft der Briloner Kammweg über die weiten Höhen zwischen Hoppecke und Itter. Endlos erscheinen die Wälder, eine ungewohnte Stille macht sich breit. Allmählich beschleicht einen wieder das Gefühl von Mystik und Zauber. Etwas eigenartig Schönes, vielleicht sogar Feenhaftes liegt über der Landschaft. Langsam senken sich die bewaldeten Höhen dann aber doch zur Hoppecke hinab. Der Fluss wird gequert, bevor man wieder steil auf die Höhenzüge rund um Brilon ansteigt. Schlagartig ändert sich das Landschaftsbild. Die tiefen Fichten- und Buchenwälder haben der grünen Heckenlandschaft der Briloner Höhen Platz gemacht, Karst hat Urgestein abgelöst. Ein klares Indiz, dass bald wieder der Briloner Marktplatz erreicht ist. Von Brilon über die Höhen links und rechts der Hoppecke
Auf einen Blick
Länge 49 km
Höhenunterschied 1.600 m
Etappen 2 Tage
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